|
Hintergedanke der Errichtung dieser Planstadt war es, dem feudalen, bürgerlichen und viel zu intellektuellen Krakau ein realsozialistisches Denkmal direkt vor die Haustür zu setzen. In dem gewaltigen Industriekomplex, in dessen riesiger Stahlhütte mehr als die Hälfte der polnischen Stahlproduktion erfolgt, sieht man die Seite Krakaus, der man in der Altstadt bequem aus dem Weg gehen kann: Nowa Huta ist ein steingewordenes Zeugnis der polnischen Arbeiterkultur der Nachkriegszeit und stößt einen mit Nachdruck auf die unglaublichen ökologischen Probleme, vor denen große Teile Polens heute stehen.
Die Ironie der Geschichte macht aber auch vor der sozialistischen Musterstadt nicht halt: In der Zeit der Solidarnose bildete Nowa Huta eines der stärksten Widerstandszentren gegen die kommunistische Ordnung. Folgerichtig heißt die einstige Revolutionsstraße heute Solidarnosc-Allee. In jahrelangen Kämpfen gegen die Obrigkeit erkämpften die Bewohner des atheistischen Musterstädtchen zudem 1977 erfolgreich den Bau einer Kirche, die vom späteren Papst Karel Woytjila geweiht wurde. |